"Miteinander Leben - Voneinander Lernen, Für einen gelingenden Übergang in die Berufswelt."

Ansprechpartner:

Frau Jasper

Institution:

Willy-Brandt-Gesamtschule Marl

  • Willy-Brandt-Allee 1
    45770 Marl

Beschreibung und Ziele:

Das Projekt bringt Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtfaches "Soziales Leben" im Rahmen ihrer Berufswahlorientierung und Senioren vor Ort zusammen und schafft nicht nur neue Kooperationsformen zwischen ihnen, sondern auch neue Lern- und Lehrräume. Die Schüler bekommen über die Vermittlung der "Aktivitäten des täglichen Lebens" ATLs, die jedes Pflegekonzept vorsieht, einen direkten Einblick in Soziale- und Pflegeberufe. Darüber hinaus bringen beide Zielgruppen ihre Kompetenzen ein und können mit Hilfe der Kompetenzen der jeweils anderen, ihre Defizite abbauen und Bedürfnisse befriedigen und die Auszubildende können ihre beruflichen Kompetenzen weiter ausbilden. Projektstandort soll der soziale Nahraum sein, in dem beide Zielgruppen ihre alltäglichen Außenbeziehungen gestalten. Themen von Jugendlichen zur Berufswahl und von Senioren zur Lebenssituation werden sowohl in seiner gesellschaftlichen, als auch der persönlichen Bedeutung bearbeitet und bekommen über evtl. Unterrichtsinhalte hinaus einen konkreten Charakter für den Einzelnen: Das für den Beruf wesentliche Rollenverständnis auch hinsichtlich generationsübergreifender Themen findet nicht nur abstrakt außerhalb des eigenen Bezugsrahmens statt, sondern betrifft die SchülerInnen und Senioren jeden Tag neu im eigenen Erlebnisfeld. Methoden aus dem Theater, der gestaltenden Kunst, dem Tanz, dem Gesang und dem Musizieren werden bei der Durchführung genutzt. Das theaterpädagogische Arbeiten orientiert sich an dem Konzept Augusto Boals. Bewegungsübungen und das Verkörpern innerer Bilder im Statuentheater lassen Vertrauen in sich und das Gegenüber wachsen und führen behutsam in den theaterpädagogisch themenbezogenen Prozess ein. Im Verlauf des Prozesses wird das Thema aus der Betroffenheit der Teilnehmer heraus szenisch weiter erarbeitet. Somit erschließt sich das Thema der Berufswahl nicht nur auf der kognitiven Ebene, sondern auch auf der körperlichen: Das Denken und das Körpererleben werden miteinander verknüpft. Das theatrale Spiel eröffnet hierbei Möglichkeiten zur Reflexionen des Werdegangs und der eigenen Identität, wobei in der differenzierten Herangehensweise auch Zugänge zu verschütteten Details gelegt werden. Eine größere Klarheit über eigene Befindlichkeiten schafft Raum für weitergehende Gespräche und Begegnungen. Universale Themen wie Krankheit, Alter und Tod sprechen über die persönliche Ebene hinaus kollektive Erfahrungen aller anderen Anwesenden an und bringen neben ein Verstehen und Verständnis, Vertrauen und Verbundenheit der Teilnehmer untereinander zum Ausdruck. Während des Prozesses werden die Jugendlichen nicht nur auf ihren bevorstehenden beruflichen Kontext vorbereitet sonder im Rahmen ihrer eigenen "Lebensplanung" an das Thema des "Miteinanders" in die Begegnung mit Senioren geführt. Eine gemeinsame Abschlusspräsentation aus Theater, Gesang und Tanz lässt die Öffentlichkeit am gewachsenen Miteinander teilnehmen und verbindliche Begegnung auch über den offiziellen Projektrahmen hinaus wachsen.

Ziele des Projektes Ziel ist es die eigenen und fremden Ressourcen zu erkennen und zu stärken, und scheinbare Defizite zu Fragen in der Berufswahl über die Begegnung "mit dem unbekannten Anderen" in Stärken zu verwandeln, wie z.B. den Jungen über die Begegnung mit den Älteren Orientierungsmöglichkeiten für die eigene Berufswahl und damit eigenen Lebensplanung zu vermitteln und gleichzeitig Senioren mit Unterstützung der Jugendlichen die Berührungsängste vor den neuen Medien wie dem Internet zu nehmen. Der berufliche Interessierte wird in seiner Wahrnehmung geschult, die Anforderungen in sozialen und Pflegeberufen zu erkennen. Ziel des Projektes ist das Erwerben einer Handlungskompetenz aus der eigenen Passivität herauszutreten und zu einem handlungsfähigen Akteur zu werden. Neues Verhalten wird im Rollenspiel eingeübt und für den Alltag erprobt. Innere Prozesse werden im szenischen Aufbau äußerlich sichtbar und werden somit nicht nur für den Akteur, sondern auch für die anderen Interaktionspartner transparent - eine ergänzende Kommunikationsplattform wird für alle Beteiligten nachvollziehbar geschaffen. Gleichzeitig wirkt das Projekt gemeinschaftsstiftend auf die entstehende Gruppe und darüber hinaus: Das gemeinsame Erleben die Fremdheit des anderen in Begegnung verwandelt zu haben, stärkt das Bewusstsein für den anderen in der Gruppe und somit die Verantwortung für die Gemeinschaft, wichtige Schlüsselkompetenzen für denberuflichen Kontext. Die Ziele sind daher vielfältig: - Stärkung der beruflichen Kompetenz/ Berufswahlorientierung der Schüler - Förderung und Entwicklung der für die Berufswelt wichtigen Schlüsselkompetenzen - Schulung der Selbst- und Fremdwahrnehmung - Soziales Kompetenztraining - Entwicklung von Zivilcourage - Stärkung des Gemeinschaftserlebens im regionalen Raum

Wie wurden die Kinder in das Projekt eingebunden?

Die Jugendlichen sind in Form interaktiver Prozesse an dem Projekt beteiligt: In jeder Phase, sowohl bei den einführenden Körperübungen, beim Statuentheater, als auch beim szenischen Aufbau ist die ganze Gruppe in den Prozess mit einbezogen. Zur Durchführung des Projektes wird die Gruppe geteilt. Phasenweise werden die beiden Gruppen zusammengeführt, ihre erarbeiteten Inhalte vorzustellen und gemeinsam zu reflektieren. Reflexionsrunden werden wiederholt in den Kleingruppen durchgeführt, den Erkenntnisprozess zu vertiefen. Tanz, Gesang und das Spielen von Musikinstrumenten unter professioneller Anleitung soll eine gemeinsame Stückproduktion aus der Lebenswelt der TeilnehmerInnen in Bezug auf berufliche Fragestellungen abrunden.

Rückblick:

Projektzusammenhang: Ein Vorgespräch führten Frau Jasper, Herr Becker und Frau Lemke am 19. Dezember 2013, und ein weiteres mit Frau Rhode und Frau Panser am 11. Januar 2013. In dem Gespräch wurden die Methodik, die zeitlichen und räumlichen Bedingungen des Projektes und die Zusammensetzung der Klasse und der Seniorengruppe, sowie das Verhaltensprofil einzelner Schüler besprochen und der thematische Schwerpunkt des Prozesses. Dabei wurden folgende Vereinbarungen getroffen: 1. Mit dem Projekt soll die berufliche Orientierung für das soziale und pflegerische Berufsfeld unterstützt und vertieft werden. 2. Die theaterpädagogische Arbeit soll eine Begegnung und einen Austausch mit Senioren herstellen und das respektvolle Miteinander unterstreichen 3. Die Klassenlehrerin und pädagogisch Verantwortlichen sollen über die Besonderheiten der theaterpädagogischen Arbeit durch eine teilnehmende Beobachtung und begleitende Gespräche informiert werden, um Aspekte gezielt in den Unterricht weiterführend zu integrieren. Formaler Ablauf : An dem Projekt beteiligten sich Schülerinnen des 8. Jahrgangs, WP2-Kurs "Soziales Leben" und Seniorinnen und Senioren des Hauses Tobit. Die Gruppe wurde phasenweise in Kleingruppen aufgeteilt und von den beiden SpielleiterInnen getrennt geführt. Im Verlauf des Prozesses ergaben sich auch gemeinsame Spiel- und Arbeitsphasen. Die Gruppen arbeiteten an drei aufeinanderfolgenden Tagen in der Zeit von 8.15 Uhr bis 13.45 Uhr in der Kapelle und Gemeinschaftsraum des Hauses Tobit mit den Seniorinnen von 9.45-11.45 Uhr. Abb. 1: Besuch in Frau Bocks "Kunstatelier" Abb. 2: Altersunabhängige Bedürfnisse - die ATLs Systematik : Die theaterpädagogischen Methoden nach dem "Duisburger Modell" sind an dem theaterpädagogischen Konzept von A. Boal orientiert und auf die besonderen Bedingungen und Anforderungen des schulischen Lernzusammenhanges sowie auf den Entwicklungsstand der einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgerichtet mit Blick auf die berufliche Orientierung mit besonderem Schwerpunkt auf das soziale und pflegerische Berufsfeld. Die Arbeit gründet auf unterschiedlichen Methoden und ist auf verschiedene, allerdings miteinander verbundene Ziele bezogen. Allgemeine Ziele: Entwicklungsdimensionen des Verhaltens  Spielanleitung und Spielregeln verstehen und umsetzen  Förderung der nonverbalen und verbalen Ausdrucksfähigkeit  Förderung der Selbst- und Fremdwahrnehmung  Analyse von Gruppenprozessen und -beziehungen Spezielle Ziele: Entwicklungsniveaus der theaterpädagogischen Arbeit  Szenische Darstellung vorgegebener "Geschichten" A  Rekonstruktion beobachteter bzw. erlebter Handlungen / Begegnungen B  Entwicklung von Handlungsalternativen C  Entwicklung von Bewertungskriterien zur Beurteilung persönlich erlebten bzw. beobachteten Handlungen und Begegnungen D Ent-wick-lungs-niveaus der theater-pädago-gischen Arbeit D C B A A Hinführende Übung zum Thema "Selbstwahrnehmung" und "Kooperationsfähigkeit" . B Inszenierung - a. Wie kann ich Senioren meine Unterstützung anbieten? b. Wie kann ich Bedürfnisse erkennen und diese erfüllen? C Veränderung der Situation durch a. Zuhören b. Kooperation c. Sich einfühlen D Analyse von Gruppenprozessen und -beziehungen: a. Ich biete meinem Gegenüber meine Unterstützung an. b. Ich bin interessiert an anderen, gehe auf sie zu, auch wenn sie mir zunächst fremd erscheinen. 5 Die Entwicklungsniveaus des interaktiven/theaterpädagogischen Prozesses zu a. Welche Bedürfnisse habe ich und nehme ich beim anderen wahr? Ähneln sich Bedürfnisse zwischen jungen und alten Menschen? Hinführende Übung A A zum Thema "Selbstwahrnehmung" und "Kooperationsfähigkeit" - Raumlauf orientiert an Bedürfnissen bewegungseingeschränkter Menschen. Rekonstruktion beobachteter bzw. erlebter Handlungen/Begegnungen B B Inszenierung - a. Erstes Einfühlen im simulierten Erstkontakt: Wie kann ich Senioren meine Unterstützung anbieten? Entwicklung von Handlungsalternativen C C Veränderung der Situation durch a. Zuhören b. Kooperation c. Einfühlungsvermögen d. Bewusste Körpersprache Entwicklung von Bewertungskriterien zur Beurteilung persönlich erlebten bzw. beobachteten Handlungen und Begegnungen D D Analyse von Gruppenprozessen und -beziehungen: a. Ich biete meinem Gegenüber meine Unterstützung an, ohne ihm dabei ein Gefühl der Minderwertigkeit zu vermitteln und berücksichtige die Erfüllung von Grundbedürfnissen: "Sehen, was fehlt und handeln." Zitat Fr. Bock, ATL "Schlafen" 6 Spielphasen: Methoden und Ziele 1. Spielanleitung und Spielregeln verstehen und umsetzen Die interaktive/theaterpädagogische Arbeit in der Begegnung von jüngeren und älteren Menschen im Schul-, Praktikums- und/oder Berufsalltag, bzw. im Seniorenheim kann allgemein mit folgenden Worten vorgestellt werden: "Wir wollen eure Erfahrungen, das was euch beschäftigt in der Begegnung mit Menschen aus einer anderen Generation nachspielen. - Wenn man Theaterspielen will, ist es gut sich auch vorzubereiten und bestimmte Methoden und Techniken zu lernen und zu üben. Wir haben euch verschiedene Übungen mitgebracht. Sie werden euch auch Spaß machen. Es sind Übungen, die auf das Theaterspielen vorbereiten. Mit diesen Übungen fangen wir an. Dabei werdet ihr den anderen besser kennenlernen und mehr ihm erfahren und euch einfühlen können, wie es dem anderen geht. Insbesondere die Jüngeren werden eingeladen sich auf Übungen einzulassen, was es bedeuten kann "alt zu sein", welche Themen mich dann im Alltag beschäftigen können und wie sich meine Wahrnehmung verändern kann. Wir freuen uns, mit euch zusammen Theaterspielen zu können. Wie ihr wisst, braucht man bei dieser Arbeit einen Regisseur und Schauspieler. Zunächst sind wir die Regisseure und ihr alle seid die SchauspielerInnen. Später dürft Ihr uns bei der Regie helfen. Ihr seid dann Regisseure und Schauspieler gleichzeitig." 7 2a Förderung der nonverbalen und verbalen Ausdrucksfähigkeit Methoden Zielsetzung Pädagogischer Akzent 1. "Namens-Boffern" Die Gruppe sitzt im Stuhlkreis, eine Person steht in der Mitte mit einer "halben Schwimmnudel" = Boffer. Wenn es ihr gelingt mit dem Boffer eine Person im Stuhlkreis zu berühren, bevor diese einen Namen aus der Runde genannt hat, tauschen sie die Plätze. Gelingt es ihr nicht versucht sie es bei der Person, deren Namen nun genannt wurde usw.  Bewegungskontrolle  Aufmerksamkeitslenkung  Kooperationsfähigkeit "Von der Ruhe zur Bewegung!" Wertschätzung des Anderen Förderung der Gemeinschaft Wie fühlt es sich an, wenn ich im Raum die Orientierung verliere? Wie gehe ich mit Momenten der Unsicherheit um? Was hilft mir mich wieder zurechtzufinden? 2. Gefühlskreis Die Gruppe steht im Kreis, mit dem Gesicht nach Außen gewandt. Auf ein vereinbartes akustisches Signal hin, wenden sich alle mit dem Blick in die Mitte und zeigen ihre individuelle Umsetzung eines zuvor in den Raum gesprochenen Gefühls.  Wahrnehmung der nonverbalen Ausdrucksformen: Mimik, Gestik "Von der Bewegung zur Ruhe!" Wertschätzung des Anderen Förderung der Gemeinschaft 2b Förderung der Selbst- und Fremdwahrnehmung 3. "Tanzkreis mit einer Bewegung" Die Gruppe steht im Kreis. Eine Person aus dem Kreis macht eine rhythmische Bewegung, die die anderen im Kreis an ihrem Platz stehend imitieren. Die vormachende Person entscheidet selber, wann sie einem anderen TN signalisiert, indem sie sich vor diese stellt, die rhythmische Bewegung zu verändern. Alle achten nun auf diese Person und machen diese Bewegung nach.  Wahrnehmung der nonverbalen Ausdrucksformen: Mimik, Gestik Die Teilnehmer erfahren, wie sie mit nichtverbalen Ausdrucksmitteln mit anderen kommunizieren und diese beeinflussen können. 8 4. Augenblinzeln Eine Gruppe sitzt im Stuhlkreis. Eine Person steht in der Mitte, während die im Kreis sitzen sich über Zublinzeln und ohne Worte signalisieren ihre Plätze zu tauschen. Dabei hat die in der Mitte stehende Person die Möglichkeit sich auf einen frei werdenden Stuhl zu setzen.  Aufmerksamkeits-lenkung  Vertrauen entwickeln  Konzentration Die Teilnehmer erfahren, wie sie mit nichtverbalen Ausdrucksmitteln mit anderen in der Gruppe kommunizieren und diese beeinflussen können. 3. Analyse von Gruppenprozessen und -beziehungen 5. Statuenpaare Zwei Teilnehmer gestalten mit ihren Körpern eine Skulptur. Dabei wird zunächst ausgehandelt, wer zuerst der Bildhauer ist, der eine Skulptur mit dem anderen formt Reflexionsmöglichkeiten: In welcher Rolle habe ich mich wohler gefühlt? Habe ich bei meinen Entwürfen als Bildhauer an das Wohlergehen meiner Skulptur gedacht? Konnte ich mich als Skulptur auf die Führung des Bildhauers einlassen? Welche Bedingungen waren dabei wichtig?  Selbst- und Fremdwahrnehmung  Analyse  Aufmerksamkeits-lenkung  Vertrauen entwickeln  Konzentration Verständnis von der gegenseitigen Beeinflussung und Abhängigkeit. Die Teilnehmer erfahren, wie sie mit nichtverbalen Ausdrucksmitteln mit anderen in der Gruppe kommunizieren und diese beeinflussen können. 9 6. Statuen- und Forumtheater In Kleingruppen erarbeiten die SchülerInnen zu den Grundbedürfnissen und ATLs in Verbindung mit den Erfahrungen aus der Biographie der Senioren den Entwurf ihrer eigenen Realität und finden gemeinsam mit den Senioren Handlungsalternativen, Störungen zu beseitigen und Lösungen herbeizuführen. Hier: - Schlafen - so selbstverständlich? Eine Schülerin berichtet von einer gefährlichen Reise in den Orient und ihrer Angst Nachts zu schlafen. Die Senioren wissen von Vertreibung und Flucht zu erzählen, wie auch beruflich bedingten Störungen als Lkw-Fahrer auf dem Rastplatz. - Ein kalter Winter - Wie reguliere ich die Temperatur, wie lässt sich dies für andere bewältigen? Ich hülle den anderen in eine wärmende Jacke. Temperaturregulierung - Essen und trinken - wie erkenne ich den Wunsch des anderen und wie erfülle ich diesen? - Wie finde ich Sinn, was bedeutet dieser Sinn des Lebens überhaupt? Ohne Sinn macht auch das Leben keinen Sinn. Frau Bock zeigt eindrucksvoll, was das Malen für sie bedeutet.     Aufeinander achten  Hören  Fühlen  Darstellung von sozialen Beziehungen  Analyse Verständnis von der gegenseitigen Beeinflussung und Abhängigkeit. 10 Zu 6 - a. weitere Themen der Statuenpaare: Mobilität - ob ich zur Party meiner Freunde kommen möchte oder einen Stock tiefer im Seniorenheim zur Karnevalssitzung - es hat eine große Bedeutung für mich. Ob mit dem Bus zur Party oder mit dem Rollstuhl zur Karnevalsveranstaltung im Haus, Mobilsein ist ein Thema. Freizeitgestaltung - gehört zum Leben. Als junger Mensch ziehe ich mit meinen Freundinnen los zum Shoppen. Die Senioren im Haus treffen sich gerne gemeinsam zum Kegeln. Bald soll eine Kegelbahn im Haus eröffnet werden - die SchülerInnen sind dabei! "Die Offenherzigkeit hat mich sehr berührt und welche Lebensfreude sie auch trotz schlimmer Erfahrungen haben." 11 5. Szenische Darstellung "eigener Geschichten" Vorbereitung der Phasen 6 - 7 Mit der Aufforderung "eigene Geschichten" szenisch darzustellen, wird die interaktive /theaterpädagogische Arbeit im engeren Sinne eingeleitet. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt nun in der phantasievollen Vergegenwärtigung der allgemeinen Bedingungen und der Handlungen der Protagonisten und ihrer sozialen Beziehungen in dieser Geschichte. Dabei ist es wichtig, diese Geschichte in verschiedenen Variationen zu entwerfen und darzustellen, um sowohl die mögliche Vielfalt der Interpretationen persönlichen Sichtweisen als auch die Vielfalt der Handlungsmöglichkeiten zu veranschaulichen. Dieser Gedanke wird methodisch umgesetzt und veranschaulicht durch einen Wechsel der Akteure / "Schauspieler": Schauspieler werden zu Zuschauer Beobachter. Zuschauer werden zu Schauspieler. Als Unterstützung dieses Darstellungs- und Diskussionsprozesses werden theaterpädagogische Techniken eingesetzt wie:  Standbild  Slowmotion  Befragung der Zuschauer, Befragung der Akteure. Hier: Wie fühlst du dich? Was wünscht du dir? 6. Rekonstruktion beobachteter bzw. erlebter Handlungen / Begegnungen Es zeigten sich verschiedene Themen entlang der "Aktivitäten des täglichen Lebens", Grundlage eines jeden Pflegekonzeptes, und gleichermaßen über das Erkennen grundlegender eigener und fremder Bedürfnisse, die die TeilnehmerInnen auch aus den Begegnungen und Überlegungen mit den Senioren formulierten: Die TeilnehmerInnen erarbeiten Szenen aus ihren Biographien und ihren Ideen, auf ältere Mitbürger angemessen einzugehen. 7. Entwicklung von Handlungsalternativen Mit der Rekonstruktion persönlich beobachteter oder erlebter Handlungen / Begegnungen ist das Hauptziel der theaterpädagogischen Arbeit erreicht, die eine Reflexion der persönlichen Erfahrungen anregen und persönliche Handlungsalternativen in diesen Zusammenhängen aufzeigen will. Diese Arbeitsphase setzt eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den TeilnehmerInnen und den SpielleiterInnen voraus und erfordert eine sensible Gesprächsführung bzw. Diskussionsleitung in der Gruppe. Die methodischen Formen entsprechen denen der vorangegangenen Phase 5. 12 8. Entwicklung von Bewertungskriterien zur Beurteilung persönlich erlebten bzw. beobachteten Handlungen und Begegnungen Diese Zielsetzung wird im Rahmen eines Abschlussgespräches angestrebt. Alle TeilnehmerInnen kamen überein, lebendige, überraschende und herzliche Tage miteinander verbracht und dabei gemeinsam Unbekanntes, wie auch Bekanntes entdeckt zu haben. Kleine Aufmerksamkeiten wurden am letzten Tag ausgetauscht. Die SchülerInnen zeigten sich überrascht, wie lebendig "und überhaupt nicht langweilig wie erwartet" die Tage im "Haus Tobit" mit den SeniorInnen gewesen waren. Viele stellten fest, sie seien von sich selber überrascht und alle SchülerInnen bestätigten mehr Sicherheit im Kontakt mit Senioren entwickelt und Hemmungen abgebaut zu haben. Auch reflektierten sie, mehr Klarheit und Realitätsnähe hinsichtlich des gewählten Fach "Soziales Leben" gewonnen zu haben und ihrer beruflichen Orientierung zu den Berufen aus den Feldern Soziales und Pflege. Ein weiterer Tag im Haus Tobit ist über die Projekttage hinaus seitens der Schule angedacht und ein Wiedersehen zum gemeinsamen Kegeln im Haus. Beeindruckt waren die SchülerInnen auch von der grundsätzlichen Lebensfreude der Seniorinnen - trotz so mancher Herausforderung im Leben. Die Präsentation bot allen Beteiligten über den Workshop hinaus Anregung für eine konstruktive Ebene der gemeinsamen Auseinandersetzung: Den SchülerInnen hinsichtlich beruflicher Anforderungen im sozialen Bereich und ihren persönlichen Belangen und den Seniorinnen, das belebende Gefühl wahrgenommen und gesehen zu werden und auch im Wohnheim Kontakte neu geknüpft und intensiviert zu haben. Private Verabredungen wurden über die offizielle Veranstaltung hinaus untereinander zwischen den Schülerinnen und den Senioren getroffen.