"Sicher unterwegs" Selbstbehauptungs- und Deeskalationstraining

Ansprechpartner:

Frau Krawczyk

Institution:

Löchterschule - Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung

  • Lasthausstr. 8
    45894 Gelsenkirchen

Beschreibung und Ziele:

Die Idee, ein Selbstbehauptungs- und Deeskalationstraining für unsere Schüler der Abschlussstufe anzubieten, entstand, nachdem einige von ihnen, die bereits mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fuhren, auf dem Weg zur Schule Gewalterfahrungen machten. Sie wurden von unterschiedlichsten jungen Menschen zw. 15 und 20 J., die nicht Schüler unserer Schule waren, immer wieder beleidigt, provoziert und auch massiv körperlich attackiert. Unsere Schüler besaßen kein Verhaltensrepertoir, mit solch konfliktträchtigen und bedrohlichen Situationen umzugehen. Sie reagierten verunsichert, entwickelten Ängste und mussten zeitweise wieder mit dem Schülerspezialverkehr zur Schule gebracht werden. Die Schüler büßten dadurch ein hohes Maß an Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Integration ein. Die Kinder und Jugendlichen unserer Schule haben einen körperlich-motorischen Förderbedarf und sind zusätzlich noch in ihrer Lern- und Leistungsentwicklung eingeschränkt. Sie fallen im öffentlichen Raum mitunter auf durch ein besonderes Gangbild, spastische Muskelverkrampfungen, auffällige Mimik oder Sprache. Gerade im Übergang von der Schule zur weiteren schulischen und beruflichen Bildung ist es sehr wichtig, dass sich unsere Schüler im öffentlichen Raum sicher und selbstbewusst bewegen können, vor allem da die beruflichen und schulischen Ausbildungsstätten nach der Entlassung von unserer Schule teilweise weiter entfernt liegen. Um den Schülern professionelle Unterstützung im Umgang mit Konflikten und bedrohlichen Situationen anbieten zu können, haben wir uns dafür entschieden, den Verein "Wellenbrecher e.V.", einen anerkannten Träger der freien Jugendhilfe, in Anspruch zu nehmen. Das Training von Wellenbrecher wird methodisch, didaktisch und inhaltlich an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet. Durch den Einsatz spezieller Methoden, z.B. durch Rollenspiele, werden die SchülerInnen in deeskalierenden Konfliktlösungs- und konstruktiven Selbstschutzstrategien geschult. Es ist vorgesehen, dass wir für zwei unterschiedliche Schülergruppen das Training anbieten: zum einen für eine Schülergruppe, die sich bereits längere Zeit im öffentlichen Raum selbstständig bewegt Training 1, zum anderen für Schüler, die das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln erst noch lernen müssen Training 2.

Ziele des Projektes sind: Stärkung der positiven Selbstwahrnehmung und des Selbstbewusstseins Training von Körpersprache und selbstsicherem Auftreten Förderung der Fähigkeit, eigene Grenzen und Bedürfnisse eindeutig und konstruktiv zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei fremde Grenzen und Bedürfnisse zu verletzen. Schulung der Wahrnehmung der SchülerInnen für Gewalt und gewaltfördernde Faktoren Erlernen der Fähigkeit, gefährliche und belastende Situationen früher zu erkennen und diese gezielt vermeiden zu können Erlernen von deeskalieren Konfliktlösungs- und konstruktiven Selbstschutzstrategien im Fall nicht vermeidbarer Konfrontationen mit Bedrohung und Aggressionen Kennenlernen von schulischen und außerschulischen Hilfssytemen

Wie wurden die Kinder in das Projekt eingebunden?

Die SchülerInnen im Alter von 14 bis 17 Jahren werden wie folgt beteiligt: Das Training ist prozessorientiert konzipiert und an der Lebenswelt der SchülerInnen ausgerichtet. Das bedeutet, dass die SchülerInnen aktiv Einfluss auf den Ablauf des Trainings nehmen können. Den Kontext der Rollenspiele liefern daher die TeilnehmerInnen durch ihr persönlichen Konflikt- und Aggressionserfahrungen. Durch Spiele und spielerische Übungen, Techniktraining Körpersprache, Rollenspieltraining, Gruppendiskussionen und Selbst- Reflexion sind die SchülerInnen in einem hohen Maße an der inhaltlichen Gestaltung des Trainings beteiligt.

Rückblick:

Rückblick: Nach der Bewilligung des Projektantrages durch die Jury konnten wir mit dem Selbstbehauptungs- und Deeskalationstraining für unsere Schüler starten. Wir vereinbarten mit dem Verein "Wellenbrecher e.V." Termine für die 2 durchzuführenden Trainings, die jeweils aus 3 Einheiten zu je 4 Unterrichtsstunden und einem Elternabend bestanden. Die Schüler erhielten während der 3 Tage folgende Angebote zur Förderung der Selbsteinfühlung, zur Steigerung der Abgrenzungsfähigkeit und zur Entwicklung der Kooperationsfähigkeit:  Berichte von persönlichen Gewalterfahrungen  Erspüren der persönlichen Grenzen  Kennenlernen und Trainieren eines Stoppsignals in Partner- und Gruppenarbeit  Üben, wie man sich löst, wenn der Gegenüber die ausgestreckte Hand ergreift und festhält herausdrehen und weglaufen  Thema Gewalt: Welche Worte fallen mir ein? Einsortieren der Begriffe auf einem Gewaltstrahl von 0 - 10 mit Begründung.  Unterscheidung: Ordnungswidrigkeit, Straftat, Verbrechen  Durchführung verschiedenster Kooperationsspiele Im Anschluss an jedes Angebot erfolgte eine Reflexion. Dabei konnte jeder einzelne Schüler seine persönlichen Erfahrungen und Fragen einbringen. Die Schüler waren während des Trainings hochmotiviert. Sie zeigten eine große Bereitschaft, ihre persönlichen Gewalterfahrungen, ihre Ängste und Sorgen einzubringen. Sie stellten viele Fragen: Was kann ich machen wenn…?, setzten sich mit Lösungsvorschlägen auseinander und erprobten sie im Rollenspiel. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Deeskalationstraining sinnvoll war und sich an der Lebenssituation der Schüler orientiert hat. Dieses lässt sich auch daran erkennen, dass mehrere Schüler in der Zeit nach dem Training äußerten, die erlernten Techniken in Konfliktsituationen erfolgreich angewendet zu haben.