"Miteinander - nicht gegeneinander" Ein Theaterprojekt für eine gelingende Kommunikation

Ansprechpartner:

Herr Johnen

Institution:

Gesamtschule Kevelaer-Weeze

  • Jahnstr. 20
    47623 Kevelaer

Beschreibung und Ziele:

Das theaterpädagogische Projekt orientiert sich an dem Konzept Augusto Boals: das ursprünglich als politisches Instrument entwickelte "Theater der Unterdrückten" wurde in den letzten Jahren durch introspektive Techniken um den psychosozialen Bereich erweitert. Mit dem Projekt wird damit das Thema "Miteinander statt gegeneinander" und gewaltfreie Begegnung sowohl in seiner gesellschaftlichen, als auch der persönlichen Bedeutung bearbeitet und bekommt über Unterrichtsinhalte hinaus, die das Thema aufgreifen, einen konkreten Charakter für den Einzelnen: das Thema "Gewalt" findet nicht nur abstrakt außerhalb des eigenen Bezugsrahmens statt, sondern betrifft den Schüler auch in seinem Erlebnisfeld. Bewegungsübungen und das Verkörpern innerer Bilder im Statuentheater lassen Vertrauen in sich und das Gegenüber wachsen und führen behutsam in den theaterpädagogisch themenbezogenen Prozess ein. Im Verlauf des Prozesses wird das Thema "Miteinander statt gegeneinander" aus der Betroffenheit der Teilnehmer heraus szenisch weiter erarbeitet. Somit erschließt sich das Thema nicht nur auf der kognitiven Ebene, sondern auch auf der körperlichen: das Denken und das Körpererleben werden miteinander verknüpft.

Der einzelne Schüler wird in seiner Wahrnehmung geschult, Strukturen und Mechanismen von "einer gelingenden Kommunikation" zu erkennen. Mit einem frühen Erkennen von Bedingungen, die derartige Strukturen begünstigen, wird der Schüler zur Prävention von "Gewaltaktionen" herangeführt. Er lernt, aktiv Situationen beeinflussen zu können, ohne eine Eskalation herbeizuführen. Erlebte "Gewalt" ist angstbesetzt und häufig fühlen sich Schüler diesem Phänomen hilflos ausgeliefert: ein weiteres Ziel des Projektes ist das Erwerben einer Handlungskompetenz, die den Schüler darin unterstützt aus seiner Passivität herauszutreten und zu einem handlungsfähigen Akteur zu werden. Neues Verhalten übt er im Rollenspiel und erprobt es für den Alltag. Gleichzeitig wirkt das Projekt gemeinschaftsstiftend auf den Klassenverband: das gemeinsame Erleben einen Konflikt gelöst zu haben, stärkt das Bewusstsein für den anderen in der Gruppe und somit die Verantwortung für die Gemeinschaft. Die Ziele des Projektes sind demnach vielfältig: - Schulung der Selbst- und Fremdwahrnehmung - Soziales Kompetenztraining - Entwicklung von Zivilcourage - Stärkung des Gemeinschaftserlebens im Klassenverband

Wie wurden die Kinder in das Projekt eingebunden?

Die Schülerinnen und Schüler sind in Form interaktiver Prozesse an dem Projekt beteiligt: in jeder Phase, sowohl bei den einführenden Körperübungen, beim Statuentheater, als auch beim szenischen Aufbau ist die ganze Gruppe in den Prozess miteinbezogen. Zur Durchführung des Projektes wird die Klasse ausgehend von einer Klassenstärke von ca. 28 SchülerInnen in zwei Gruppen geteilt. Phasenweise werden die beiden Gruppen zusammengeführt, ihre erarbeiteten Inhalte vorzustellen und gemeinsam zu reflektieren. Reflexionsrunden werden wiederholt in den Kleingruppen durchgeführt, um den Erkenntnisprozess zu vertiefen.

Rückblick:

An drei Tagen wurde jeweils mit einer Klasse zum Thema "Miteinander nicht gegeneinander" gearbeitet. So unterschiedlich die Klassenzusammensetzung war, so unterschiedlich war auch das Ergebnis. Bei zwei von drei Klassen zeigte sich eine homogene Gruppe, welche sich fest vorgenommen hatte weiter zusammen zu wachsen. Entsprechend waren die Rückmeldungen in denen keine Schülerin, kein Schüler mehr angab einer zerstrittenen Klasse anzugehören und sich zu bemühen im Konfliktfall nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Am Besten haben den Schülerninnen und Schülern natürlich die spielerischen und sportlichen Einlagen gefallen. So wurde "das Band" von allen gelobt und der Zusammenhalt der Klasse festgestellt. Eine Klasse zeigte sich allerdings als problematisch und teilte sich im Ergebnis. Während ein großer Teil der Klasse ernsthaft bemüht war ein miteinander zu finden, bemühte sich ein kleiner Teil immer wieder die Gegenseitigkeit zu entzweien. Es zeigte sich deutlich, das "Miteinander nicht gegeneinander" ein Thema für die nächsten Wochen und Monate sein sollte. Positiv betrachtet ein sinnvolles Ergebnis, um zielgerichtet den Einstieg in einen Prozess der Wandlung zu beginnen.