"Miteinander Leben - Voneinander Lernen.

Ansprechpartner:

Frau Rötte

Institution:

Friedrich-Fröbel-Schule

  • Langenwiedenweg 18
    59457 Werl

Beschreibung und Ziele:

Das Projekt bringt Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihrer Berufswahlorientierung und Senioren verschiedener Institutionen vor Ort zusammen und schafft nicht nur neue Kooperationsformen zwischen ihnen, sondern auch neue Lern- und Lehrräume. Beide Zielgruppen bringen ihre Kompetenzen ein und können mit Hilfe der Kompetenzen der jeweils anderen, ihre Defizite abbauen und Bedürfnisse befriedigen und die Auszubildende können ihre beruflichen Kompetenzen weiter ausbilden. Projektstandort soll der soziale Nahraum sein, in dem beide Zielgruppen ihre alltäglichen Außenbeziehungen gestalten. Methoden aus dem Theater, der gestaltenden Kunst, dem Tanz, dem Gesang und dem Musizieren werden bei der Durchführung genutzt. Das theaterpädagogische Arbeiten orientiert sich an dem Konzept Augusto Boals: Das ursprünglich als politisches Instrument entwickelte "Theater der Unterdrückten" wurde in den letzten Jahren durch introspektive Techniken um den psychosozialen Bereich erweitert. Mit dem Projekt wird das Thema "Wie sehe ich die Jungen? Wie sehe ich die Alten? - Konflikterfahrungen und Konfliktlösungen von Jugendlichen und Senioren." sowohl in seiner gesellschaftlichen, als auch der persönlichen Bedeutung bearbeitet und bekommt über evtl. Unterrichtsinhalte hinaus einen konkreten Charakter für den Einzelnen: Das Rollenverständnis hinsichtlich generationsübergreifender Themen findet nicht nur abstrakt außerhalb des eigenen Bezugsrahmens statt, sondern betrifft die SchülerInnen und Senioren jeden Tag neu im eigenen Erlebnisfeld. Bewegungsübungen und das Verkörpern innerer Bilder im Statuentheater lassen Vertrauen in sich und das Gegenüber wachsen und führen behutsam in den theaterpädagogisch themenbezogenen Prozess ein. Im Verlauf des Prozesses wird das Thema aus der Betroffenheit der Teilnehmer heraus szenisch weiter erarbeitet. Somit erschließt sich das Thema "Wie sehe ich die Jungen? Wie sehe ich die Alten? nicht nur auf der kognitiven Ebene, sondern auch auf der körperlichen: das Denken und das Körpererleben werden miteinander verknüpft. Ob Träume, Tragödien, chaotische Umstände oder gemächlich dahin fließende Ereignisse, es werden gemeinsam Geschichten und Anekdoten gesammelt und in kleinen Szenen in und mit der Gruppe nachgespielt. Aus den Alltagsdramen werden erinnerungswerte Geschenke und Geschichten des Lebens zum Leben erweckt. Insbesondere werden Beziehungen zwischen Menschen thematisiert, ihre Interkulturalität, ihren Motivationen und Entscheidungen an wichtigen Wendepunkten des Lebens gemeinsam reflektiert und damit die Erfahrung einzelner gewürdigt. Das theatrale Spiel eröffnet hierbei Möglichkeiten zur Reflexionen des Werdegangs und der eigenen und insbesondere beruflichen Identität. Eine größere Klarheit über eigene Befindlichkeiten schafft Raum für weitergehende Gespräche und Begegnungen. Grundlage sind hier die in jedem Pflegekonzept vorgesehenen ATLs, bzw. AEDLs, die die Grundbedürfnisse des Menschen ins Auge fassen und worüber sich sowohl Jung als auch Alt erkennen und wiederfinden und für junge Menschen, die sich bei ihrer Berufswahlorientierung für Pflegeberufe interessieren eine Grundlage für ein vertiefendes Verständnis des Berufsbildes. Universale Themen wie Sinnfindung im Leben, Freizeitgestaltung und soziale Kontakte sprechen über die persönliche Ebene hinaus kollektive Erfahrungen aller anderen Anwesenden an und bringen ein Verstehen und Verständnis, Vertrauen und Verbundenheit der Teilnehmer untereinander zum Ausdruck. Während des Prozesses werden die Jugendlichen nicht nur auf ihren bevorstehenden beruflichen Kontext vorbereitet sonder im Rahmen ihrer eigenen "Lebensplanung" an das Thema des "Miteinanders" im Form von Biographiearbeit in die Begegnung mit Senioren geführt. Eine gemeinsame Abschlusspräsentation aus Theater, Gesang und Tanz lässt die Öffentlichkeit am gewachsenen Miteinander teilnehmen und verbindliche Begegnung auch über den offiziellen Projektrahmen hinaus wachsen.

Ziel ist es die eigenen und fremden Ressourcen zu erkennen und zu stärken, und scheinbare Defizite "des unbekannten Anderen" in Stärken zu verwandeln, wie z.B. Senioren mit Unterstützung der Jugendlichen die Berührungsängste vor den neuen Medien wie dem Internet zu nehmen und den Jungen über Biographiearbeit der Älteren Orientierungsmöglichkeiten für die eigene Lebensgestaltung und Berufswahl zu vermitteln. Der Einzelne wird in seiner Wahrnehmung geschult, Strukturen und Mechanismen, die Begegnung fördern und auch verhindern können zu erkennen. Mit einem frühen Erkennen von Bedingungen, die ausgrenzende Situationen begünstigen, werden die TeilnehmerInnen zu Toleranz und Interesse gegenüber dem anderen herangeführt. Jüngere und Ältere lernen gemeinsam, aktiv auch fremde Situationen beeinflussen zu können, ohne Ignoranz und Ablehnung herbeizuführen. Ziel des Projektes ist das Erwerben einer Handlungskompetenz, die Jüngere und Ältere darin unterstützt aus der eigenen Passivität herauszutreten und zu einem handlungsfähigen Akteur zu werden. Neues Verhalten übt er im Rollenspiel und erprobt es für den Alltag. Innere Prozesse werden im szenischen Aufbau äußerlich sichtbar und werden somit nicht nur für den Akteur, sondern auch für die anderen Interaktionspartner transparent - eine ergänzende Kommunikationsplattform wird für alle Beteiligten nachvollziehbar geschaffen. Gleichzeitig wirkt das Projekt gemeinschaftsstiftend auf die entstehende Gruppe und darüber hinaus: Das gemeinsame Erleben die Fremdheit des anderen in Begegnung verwandelt zu haben, stärkt das Bewusstsein für den anderen in der Gruppe und somit die Verantwortung für die Gemeinschaft. Die Ziele des Projektes sind demnach vielfältig: - Stärkung der beruflichen Kompetenz/Berufswahlorientierung der Schüler - Schulung der Selbst- und Fremdwahrnehmung - Soziales Kompetenztraining - Entwicklung von Zivilcourage - Stärkung des Gemeinschaftserlebens im regionalen Raum

Wie wurden die Kinder in das Projekt eingebunden?

Die Jugendlichen sind in Form interaktiver Prozesse an dem Projekt beteiligt: In jeder Phase, sowohl bei den einführenden Körperübungen, beim Statuentheater, als auch beim szenischen Aufbau ist die ganze Gruppe in den Prozess mit einbezogen. Zur Durchführung des Projektes wird die Gruppe geteilt. Phasenweise werden die beiden Gruppen zusammengeführt, ihre erarbeiteten Inhalte vorzustellen und gemeinsam zu reflektieren. Reflexionsrunden werden wiederholt in den Kleingruppen durchgeführt, den Erkenntnisprozess zu vertiefen. Tanz, Gesang und das Spielen von Musikinstrumenten unter professioneller Anleitung soll eine gemeinsame Stückproduktion aus der Lebenswelt der TeilnehmerInnen abrunden.

Rückblick:

Es zeigten sich verschiedene Themen entlang der "Aktivitäten des täglichen Lebens", Grundlage eines jeden Pflegekonzeptes, und gleichermaßen über das Erkennen grundlegender eigener und fremder Bedürfnisse, die die TeilnehmerInnen auch aus den Begegnungen und Überlegungen mit den Senioren formulierten: Die TeilnehmerInnen erarbeiten Szenen aus ihren Biographien und ihren Ideen, auf ältere Mitbürger angemessen einzugehen. Mit der Rekonstruktion persönlich beobachteter oder erlebter Handlungen / Begegnungen ist das Hauptziel der theaterpädagogischen Arbeit erreicht, die eine Reflexion der persönlichen Erfahrungen anregen und persönliche Handlungsalternativen in diesen Zusammenhängen aufzeigen will. Diese Arbeitsphase setzt eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den TeilnehmerInnen und den SpielleiterInnen voraus und erfordert eine sensible Gesprächsführung bzw. Diskussionsleitung in der Gruppe. Diese Zielsetzung wird im Rahmen eines Abschlussgespräches angestrebt. Alle TeilnehmerInnen kamen überein, lebendige und herzliche Tage miteinander verbracht und dabei gemeinsam Unbekanntes, wie auch Bekanntes entdeckt zu haben. Kleine Aufmerksamkeiten wurden am letzten Tag ausgetauscht. Die SchülerInnen zeigten sich gestärkt in ihrer Sicherheit, wie lebendig und lustig "und überhaupt nicht langweilig" die Tage im "St Michael" mit den SeniorInnen gewesen waren. Beeindruckt waren die SchülerInnen auch von der grundsätzlichen Lebensfreude der Seniorinnen - trotz so mancher Herausforderung im Leben. Auch das gemeinsame Malen der eigenen Hände und der Austausch dazu, was diese alles erlebt und geschaffen haben, schuf noch einmal eine andere Sicht und Nähe für- und miteinander. Auch das gemeinsame Mittagessen habe dazu beigetragen noch einmal persönlicher ins Gespräch gekommen zu sein und gleichzeitig weiter zu den AEDLs gelernt zu haben. Alle SchülerInnen bestätigten mehr Sicherheit im Kontakt mit Senioren entwickelt und Hemmungen abgebaut zu haben. Auch reflektierten sie, weiterhin mehr Klarheit und Realitätsnähe gewonnen zu haben und ihrer beruflichen Orientierung zu den Berufen aus den Feldern Soziales und Pflege. Die Präsentation bot allen Beteiligten über den Workshop hinaus Anregung für eine konstruktive Ebene der gemeinsamen Auseinandersetzung: Den SchülerInnen hinsichtlich beruflicher Anforderungen im sozialen Bereich und ihren persönlichen Belangen und den Seniorinnen, das belebende Gefühl wahrgenommen und gesehen zu werden und auch im Wohnheim Kontakte neu geknüpft und intensiviert zu haben. Der Zeitungsartikel, der am letzten Tag im "Soester Anzeiger" erschien, wurde in großer Runde vorgelesen und alle freuten sich, in dieser Weise eine weitere Anerkennung auch in der Öffentlichkeit erfahren zu haben. Private Verabredungen wurden über die offizielle Veranstaltung hinaus untereinander zwischen den Schülerinnen und den Senioren getroffen. Ein weiterer Tag im Seniorencentrum St. Michael ist über die Projekttage hinaus seitens der Schule angedacht und ein Wiedersehen im Haus angedacht. In einem gemeinsamen Nachgespräch mit der Haus- und Schulleitung und der Gruppe "Bildung-aller-Sinne" wurde das positive Resümee alle TeilnehmerInnen noch einmal bestätigt und eine weitere Zusammenarbeit ins Auge gefasst. Mülheim